Gespräche mit Tieren

Milano ist ein junger Kater aus dem Tierschutz, der in seinem Zuhause bereits seit längerem durch Unsauberkeit in der Wohnung für Probleme sorgt. Er lebt mit zwei anderen Katern in einer Mietwohnung. Seine Besitzerin Heike hat bereits mehrfach eine Katzenpsychologin um Hilfe gebeten. Diese empfahl ihr, als letzte Möglichkeit eine Tierkommunikation zu beauftragen.

Erster Eindruck

Bei der ersten Begegnung wirkt Milano skeptisch. Er hält erstmal ein wenig Abstand. Aber da er neugierig ist, bleibt er in der Nähe und prüft mich. Milano wirkt auf den ersten Eindruck vom Charakter her eigen, vielschichtig und kompliziert.
Er zeigt mir einen schwarzen und einen grauen Kater mit denen er lebt. Sein Zuhause, eine Wohnung mit 2 Zimmern, einem Wohnraum mit großem Fenster. Helle Möbel, Sofa in der Nähe vom Fenster. Am Boden Fliesen und Laminat, Teppiche. Auch Kratzbäume. Er gibt einen Balkon, aber er darf nicht oft raus. Er zeigt mir abgedeckte Sessel und Sofa und das Schlafzimmer, in das er nicht hinein darf.

Warum pinkelst Du überall in die Wohnung?
Milano berichtet, dass er aus Frust Urin absetzt (markiert), aber auch, um sich Ausdruck („Gehör“) zu verschaffen. „Ich muss meinen Platz finden. ich habe das Gefühl, hier ist kein Platz für mich. immer muss ich schauen, wo ich hingehen kann.“ Er fühlt sich in der Gruppe der anderen Kater nicht wohl. Er langweilt sich. Frauchen ist viel außer Haus. Der Raum ist sehr begrenzt.

Seit wann markierst du?
Vielleicht bereits einige Monate lang, erfahre ich. Ich nehme Milano nicht als dominanten Macho-Typen wahr, sondern eher als komplizierten, unzufriedenen Kater, der versucht, erwachsen zu werden und seinen Platz zu finden. Er hat nicht das, was er braucht, um zufrieden und „unauffällig“ zu sein. Daher zeigt er sich durch seinen Harn, den er verteilt. Er setzt damit Zeichen für seine Besitzerin und für die anderen Kater.

Hast Du gesundheitliche Probleme?
Er zeigt mir seine Blase. Außerdem spüre ich eine Verspannung in der Halswirbelsäule.

Futter: Nassfutter und Trockenfutter

Möchtest Du lieber raus?
„Ja, rauszugehen wäre toll! Ich gehe sehr gern auf den Balkon (wenn er geöffnet wird). Ja, ich würde gern richtig raus, in die Natur. Kenne das von meiner Kindheit.“  Milano kommt vom Bauernhof.

Hast du Probleme mit deiner Besitzerin?
Seine Besitzerin Heike (eine Frau  mit schulterlangen Haaren, um die 35) zeigt mir Milano als freundlich, aber hektisch und unsicher. Sie schimpft öfter mit ihm, wegen seiner Unsauberkeit und Nervosität. Er mag sie gern. Aber er weiß sie nicht richtig einzuschätzen. Er lässt sich nicht gern von ihr streicheln. Sie haben offenbar eine Art angespannter „Hass-Liebe“.

Hast Du ein Problem mit den anderen Katern?
Die anderen Kater sind älter als er. Milano ist der Jüngste. Er kam als letztes und fühlt sich nicht richtig dem Team zugehörig. Milano hat das Gefühl, dass er manchmal nur geduldet wird, dass seine Anwesenheit den anderen nicht immer angenehm ist. Er berichtet, dass er die anderen immer im Blick hat und auch kontrollieren möchte. Er hat keine natürliche Dominanz und auch kein starkes Selbstbewusstsein. Dafür aber viel Wunsch auf Aktion und Erlebnis, ist im Alltag eher unterfordert. Richtige Kämpfe mit den anderen zwei Katern gibt es aber nicht.  Als Trio sind sie keine vollkommen harmonische Gemeinschaft.

Milano reflektiert alles sehr stark und kommt auch mit der räumlichen Begrenztheit seines Zuhauses sowie mit dem Mangel an Bewegungsmöglichkeiten nicht so gut klar. Er empfindet Stress, den er durch sein Urinieren ausdrückt.

Was könnte dir denn helfen, dich wohler zu fühlen?
Ich brauche mehr Platz für mich, Platz zum Toben. Ich möchte mehr erleben, ich finde es langweilig hier. Die anderen spielen nicht mit mir, wollen auch nicht, dass ich sie auffordere. Frauchen ist viel weg. Warum kann ich nicht mitgehen?

Nachtrag
Milano provozierte seine Besitzerin weiterhin (auch während unserer Telefonate!) und machte sie auf diese Weise auf seine große Unzufriedenheit aufmerksam. Die Situation währte fast 1 Jahr und war schon zur Zeit der ersten beauftragten Tierkommunikation fast unerträglich für beide. Es drohte sogar eine Wohnungskündigung, als die Besitzerin dem Geruch aus der Wohnung durch Putzen nicht mehr beikommen konnte. Sie war als berufstätige Frau, die allein mit den drei Katern in der kleinen Wohnung lebte, nicht in der Lage, Milano ein für ihn angenehmes Zuhause zu bieten. Mein Eindruck war, dass die Besitzerin ihren Kater innerlich längst aufgegeben hatte, aber sich nicht traute, ein neues, passenderes Zuhause für ihn zu suchen, da er bereits aus dem Tierschutz vermittelt war. Sie wandte sich schließlich an die Organisation, die ihr Milano vermittelt hatte und bat um eine neue Vermittlung in ein Umfeld mit Freigang.