Gespräche mit Tieren

Selma lebt seit ihrer Kindheit bei ihrer Besitzerin A. und ist mit ihr durch dick und dünn gegangen. Während einsamer Jahre war sie ihr die beste Freundin und hielt immer zu ihr. Als ihre Besitzerin in ein Haus mit Garten umzog, konnte Selma nun auch noch ein eigenes Katzenrevier beziehen.  Doch seit 3 Wochen ist Selma vermisst. Vermisste Katzen zu suchen kann sehr aufreibend sein, vor allem durch den großen Stress und die Trauer der Menschen. Daher suche ich nur nach Katzen, die ich bereits vorher kannte wie in Selmas Fall. Ich versuchte, herauszufinden, ob sie noch lebt und wenn ja, warum sie nicht zurückkommt.


Tierkommunikation mit Katze Selma

Als ich Selma morgens um 9.00 Uhr anspreche, ist sie gerade auf einer Wiese und lauert auf eine Maus. Sie ist eine erfahrene Katze, aber sehr vorsichtig.

Aufenthaltsort:
Freilaufend, Felder ringsum, wenige Häuser (jenseits eines Wohngebietes). Ich höre Geräusche von Fahrbahnen/ Autos.

Body-Scan

  • Selma ist gesund und munter.
  • Sie ist nicht eingesperrt.
  • Sie ist hungrig, aber nicht ausgehungert oder heruntergekommen.


Selma, warum bist du von deinem Zuhause weggelaufen?
Ich bin nicht weggelaufen. Ich bin weggeGANGEN.

Wo ist der Unterschied für dich?
Ich bin nicht spontan weggerannt oder so. Sondern ich habe meinen Weggang gut geplant und es ist nicht so spontan wie es vielleicht scheint.

Magst du mir sagen, was deine Gründe dafür sind?
Wir Katzen sind frei Geschöpfe, frei im Geist. Wenn unser Besitzer uns nicht mehr braucht oder wenn wir uns entscheiden, anders zu leben, oder wenn wir selbst etwas anderes brauchen, dann gehen wir weg und beginnen woanders neu. Also ich jedenfalls kann mich gut allein durchschlagen. Ich kann mit Menschen umgehen und habe noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Warum bist du weggegangen?
In meinem Zuhause ist es mir zu voll geworden. (Zeigt mir zwei Hunde, einer davon sehr lebhaft). Früher war es ruhiger bei uns, aber es hat sich geändert. Ich brauche mehr Ruhe.
Meine Besitzerin braucht mich jetzt nicht mehr so. Sie hat nicht mehr so den Fokus auf mich wie früher. (hier kommt Trauer und Enttäuschung zum Ausdruck)
Ich hätte gern ein Zuhause wo ich eine zentralere Rolle spiele und die Menschen für mich habe. Wo ich nicht nur eine Nebenrolle spiele.
Ich habe mir das eine ganze Weile so angeschaut, aber jetzt war es mir einfach zuviel. Meine Besitzerin hat das aber eigentlich auch gemerkt.

Wie lebst du denn jetzt?
Es ist Sommer. Es gibt reichlich zu fressen für mich.  Wo ich hingehe, gibt man mir zu fressen. Oder ich fange mir etwas. Ich muss etwas aufpassen mit den Revieren, dass ich nicht vertrieben werde. Aber ich kann mich auch wehren bei anderen Katzen!

Hast du denn ein neues Zuhause gefunden?
Nein, noch nichts festes. Aber es gibt zwei Stellen wo ich mitfressen kann.

Vermisst du denn dein Frauchen nicht?
Doch. Aber sie braucht mich jetzt nicht mehr so. und sie denkt auch an sich. So wie ich!
Ich möchte ruhiger leben und vor allem ohne Hunde!

Wie weit bist du gelaufen?
Ungefähr 5 km.

In welche Richtung?
Richtung Westen.

Bist du über eine riesige Strasse gelaufen?
Nein, aber über kleine Straßen und über Felder und Wiesen.

Kann dein Frauchen irgendetwas tun, dass du zu ihr zurück kehrst?
Ich möchte meine Besitzerin darum bitten, dass sie meine Entscheidung versteht und akzeptiert. Sie soll nicht traurig darüber sein! Ich bin ihr nicht böse oder sauer.  Ich habe sie lieb! Und wir hatten eine gute Zeit zusammen, eine wichtige Zeit. Aber die Dinge ändern sich und ihre Energie hat sich auch sehr verändert. Ich bin ihr aber sehr dankbar, dass sie mir so viel ermöglicht hat. Dass sie mir auch die Freiheit geschenkt hat und Vertrauen in mich hatte.

Könntest du bitte in Erwägung ziehen, wieder zurück zu gehen? Deine Besitzerin ist traurig, dass du weg bist. Sie vermisst dich! Du bist ihr wichtig!
Wenn ich nichts anderes finde, gehe ich zurück. (Sie wirkt auf einmal auch traurig)

Ich bedanke mich bei Selma und bitte Sie nochmals, ihre Entscheidung zu überdenken. Ich wünsche ihr Glück.

Nachtrag:

Die Besitzerin bestätigt die Angaben, soweit sie ihr bekannt sind. Sie hatte sich tatsächlich bereits gedacht, dass Selma sich wegen des neuen Hundewelpen distanziert hat und keine Lust mehr auf dessen ständige Spielversuche hat. Sie ist nun beruhigter, aber trotzdem bereitet ihr die Entscheidung von Selma großen Kummer. Sie sorgt sich auch weiterhin um die Sicherheit der Katze. Ich weise sie darauf hin, dass nicht jede Katze gern mit Hunden zusammen lebt. Selmas Besitzerin ist außerdem schwanger. Alle Faktoren zusammen sind für Selma offenbar Grund genug, sich ein neues Zuhause zu suchen. Zur großen Trauer ihrer Besitzerin.